...Kneift mich mal einer.

So ergeht es mir jedes Mal, wenn ich die Bilder vom März 2019 ansehe und ich eine gefräste Fläche von 3980 m2 vor mir sah.


Das ich bis Juni 2019 alleine das Gelände gestalten sollte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auch nicht, dass sich dies bis zum Ende wie ein roter Faden durchzieht. Wie viele Male habe ich in den Himmel geblickt, mit Tränen in den Augen und meine Urgroßmutter und Dad um Kraft gebeten. So ganz alleine wollte ich das Projekt nicht führen. 


Es war als Geschenk an meine Heimatstadt und meinem alten Viertel, in dem ich aufwuchs gedacht. Was von mir edel gemeint war, wurde nicht erkannt. Mehr noch. Aber das führt hier nun zu weit. Es waren viele Hoch und Tiefs und am Ende überwogen die Tiefs. 


So begann ich barfuß das Gelände zu lesen und ich spürte wie es gemeint war. Ich griff nirgends ein. Gestaltete es so, wie es mir zeigte. Unterstützte die Arten in ihren Lebensräumen und erschuf so die einzelnen Zonen. 


Es begann zu sprießen, was dort über 30 Jahre im Boden verborgen war. Das Saatgut alter Zeit bekam sein Leben zurück und mit ihm kamen Arten, die ich mir mitten in der Stadt, auf einer geschlossenen einstigen Müllstelle der Anwohner, nicht im Traum hätte vorstellen können. Unzählige waren es.

Ich erblickte die ersten Wildpflanzen und immer mehr Arten kamen; es war deren Futterpflanze, All das, was hier begann zu wachsen, sicherte ihr Überleben. Im letzten Sommer waren es über 20-30 verschiedene Wildbienenarten über 30.000 ihrer Art, friedlich mit all den anderen Arten auf der Fläche. Es war ja genug vorhanden. Hier durften sie sein, weil es ja ein Wildpflanzenpark war und nicht nach englischerrasenmenalität gestaltet werden musste. Diese Fläche sichert ihr Überleben. Hunderte Schmetterlinge finden hier ihre sicheren Habitate und irgendwie stelle ich mir so den Garten Eden vor. 


Es war an einem heißen Sommertag im August. Ich stellte überall Wasserschalen für die Tiere auf. Da sah ich ihn zum ersten Mal. "Was bist du denn für ein Hübscher? Hast du durst?" Fortan kam er immer wenn er mich sah und setzte sich auf meine rechte Schulter. 'Mein' Schwalbenschwanz. Als ich recherierte, was er benötigt. war mir in einem Bruchteil von einer Sekunde klar, warum ich hier an diesem alten Ort meiner Kindheit und was meine Aufgabe war. Er veränderte mein ganzes bisheriges Leben und die Sicht darauf. 


Es benötigt kein Projekt oder einen Namen für dies hier. In einer wundervollen Symbiose gaben wir gemeinsam dieser einstigen Müllhalde der Anwohner seine Würde zurück und den Pflanzen und Arten ihren alten Lebensraum.

Ich kam an einem Punkt da kam ich an meine Grenzen, daher beende ich dieses Projekt zum Sommer 2022.


Nun glaube ich an liebe Seelen, die den Arten hier ihren Lebensraum lassen.


"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar."

Wer dieses Gelände nicht mit seinem Herzen fühlt, wird seinen Zauber niemals spüren können.


Ein Teil von mir bleibt.....